Stoßwellen werden seit den 90er-Jahren auch bei der Behandlung orthopädischer Beschwerden erfolgreich eingesetzt. Mit dieser Methode werden unter anderen der sogenannte Tennisarm (-ellenbogen), Kalkschultern oder Entzündungen des Fersenbeins (mit oder ohne Fersensporn) behandelt. Diese Erkrankungen sind mitunter sehr schmerzhaft und langwierig. Aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Wirksamkeitsstudien hat diese Therapieform es jedoch bis heute nicht geschaft, Bestandteil des Leistungskatalogs der GKV zu werden (siehe auch weiterführende Links am Ende dieses Beitrags). Hier wird weiterhin die konventionelle Therapie mittels schmerzstillender Medikamente, Injektionen, Physio- oder Hydrotherapie gepflegt. Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung, die dies nicht (mehr) wollen, müssen die Behandlung mittels Stoßwellen aus eigener Tasche zahlen. Über die Kosten der Behandlung gehen die Auffassungen weit auseinander.

Die Bundesärztekammer hat hierzu zwei Abrechnungsempfehlungen:

  1. 302 A
    Radiale Stoßwellentherapie bei orthopädischen, chirurgischen oder schmerztherapeutischen Indikationen
    250 Punkte       Einfachsatz: 14,75 €          2,3-facher Satz: 33,93 €
  2. 1800 A
    Extrakorporale Stoßwellentherapie bei orthopädischen, chirurgischen oder schmerztherapeutischen Indikationen
    1480 Punkte     Einfachsatz: 86,27 €        2,3-facher Satz: 198,42 €

Hierzu sollte man folgendes wissen: die GNR 1800, von der die GNR 1800 A abgeleitet wurde, beschreibt die  „Zertrümmerung und Entfernung von Blasensteinen unter endoskopischer Kontrolle, je Sitzung“. Der entscheidende Bestandteil dieser Leistungsbeschreibung lautet „unter endoskopischer Kontrolle“. Damit rückt diese Leistung in die Nähe operativer Eingriffe, wofür als weiterer Beleg die Aufnahme der GNR 1800 in den Katalog der „Zuschläge bei ambulant durchgeführten Operationen“ spricht.

Eine Stoßwellenbehandlung ohne diese hohe Leistungsanforderung kann nicht der GNR 1800 A entsprechen, obwohl viele Ärzte und Privatärztliche Verrechnungsstellen diese Auffassung vertreten. Hier besteht in meinen Augen dringender Klärungsbedarf, denn hierdurch wird eine finanzielle Hürde errichtet, die für viele schmerzgeplagte Patienten unüberwindbar wird. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man für eine Therapieserie (meist 4 Behandlungen) fast 800 € oder 140 € aus eigener Tasche bezahlen soll.

Zahlreiche Sportorthopädische Praxen nutzen die Möglichkeiten der Analogbildung, welche in der GOÄ gegeben ist, auf andere Weise: sie rechnen diese Therapieform durch Analogableitung aus der GNR 2181 „Gewaltsame Lockerung oder Streckung eines Schulter-, Ellenbogen-, Hüft- oder Kniegelenks“ ab. Diese Leistung ist mit 379 Punkten bewertet und kostet somit je Sitzung unter Berücksichtigung des 2,3-fachen Satzes 50,81 € – für eine Therapie aus 4 Sitzungen also 203,23 Euro. Dies scheint mir ein angemessener Kompromiss.

Weiterführende Links:

 

 

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