Obwohl es an der Oberfläche relativ ruhig zu sein scheint, sind in den tieferen Schichten unseres Gesundheitswesens Umwälzungen im Gange, die das Arbeitsfeld des niedergelassenen Arztes vollständig verändern könnten. So erhält jeder Arzt nun eine lebenslange Arzt- und jede Praxis eine Betriebsstättennummer. Dies liefert de facto die Grundlage für völlig neue Organisationsformen ärztlichen Handelns.

Stellen Sie sich vor, ein Facharzt hätte keine eigene Praxis mehr, sondern wäre ambulant in mehreren Praxen tätig. Dies könnte insbesondere im ländlichen Raum möglicherweise die fachärztliche Versorgung dramatisch verbessern. Fachärzte, die eine hohe apparative Ausstattung benötigten, könnten mit Kollegen apparativ-diagnostische Betriebsstätten teilen – oder mit den in der Region ansässigen Krankenhäusern  Apparategemeinschaften bilden.

Dass so etwas funktionieren kann, zeigt die Erfolgsgeschichte der Dres. Ober und Scharrer aus Fürth: aus einer vor 26 Jahren gegründeten Gemeinschaftspraxis ist ein Verbund Medizinischer Versorgungszentren gewachsen. Dabei wurden die Möglichkeiten, welche die Gesundheitsreform aus den Jahren 2003/2004 (Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung) boten, konsequent genutzt und es entstand ein mittelständisches Unternehmen mit heute 240 Angestellten – darunter 40 Ärzten.

Ein anderes Beispiele ist das Polikum Berlin: auch hier wurden die Vorgaben der Gesundheitsreform konsequent in ein funktionierendes Geschäftsmodell umgesetzt, dass die beteiligten Ärzte in die Lage versetzt, ihrer Kernkompetenz entsprechend tätig zu sein indem organisatorische und Verwaltungsaufgaben in einen gemeinsamen Ressourcenpool ausgelagert wurden.

Es ließen sich zahlreiche weitere Beispiele anführen. Allen gemeinsam ist jedoch: mit Fantasie und Bereitschaft, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, kann der Arzt die viel beklagte Misere aus sinkenden Praxiseinkommen, steigenden Verwaltungsanforderungen und die damit einhergehenden Berufsmüdigkeit überwinden. Zum Wohle des Patienten und zu seinem eigenen.

Advertisements